Hilfe bei Schlaganfall
"Nach einem Schlaganfall ist nichts mehr wie es vorher war" - diese Worte drücken aus, wie tiefgreifend diese Krankheit das Leben verändert. Erfahren Sie hier, was bei einem Schlaganfall als erstes zu tun ist.

 

Schlaganfall – Eine Handreichung für pflegende Angehörige

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Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall

Folgende Symptome können Warnzeichen für einen drohenden Schlaganfall sein: – Vorübergehende halbseitige Lähmungen oder Taubheit in den Armen und Beinen, häufig auch herunterhängender Mundwinkel – Kurzes Erblinden oder Sehstörungen auf einem Auge, Sehen von Doppelbildern – Kurzzeitige Sprachstörungen – Plötzlich eintretender heftiger Drehschwindel und Gangunsicherheit – Ein erstmalig und plötzlich auftretender, rasender Kopfschmerz.

Sofortmaßnahmen

Handeln Sie bei oben wahrgenommenen Warnzeichen sofort. Nach einem Schlaganfall ist jeder Augenblick kostbar, der die Folgen eines Schlaganfalles minimiert. – Sofort: Notrufdienst: 112 – Für frische Luft sorgen – Evtl. Zahnprothesen vorsichtig entfernen, Atemwege freihalten – Bei Bewusstlosigkeit den Betroffenen in stabile Seitenlage bringen – Atmung kontrollieren: bei Atemstillstand: Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen – Pulsschlag kontrollieren: bei Herzkreislaufstillstand: Herzdruckmassage versuchen – Darauf achten, dass der Betroffene nicht unterkühlt – Für den Rettungsarzt Liste der eingenommenen Medikamente bereithalten. Notwendige Utensilien für eine Übernachtung im Krankenhaus packen.

Das Krankheitsbild – Hilfestellung für Angehörige

Was kann ich tun? Wie helfe ich richtig? Wie geht es weiter? Wie soll ich das schaffen? Und: Wer und was hilft mir? Ein Schlaganfall trifft Patienten und seine Angehörigen sprichwörtlich wie ein Schlag und führt zu massiven Änderungen im persönlichen Leben und Umfeld. Die Bewältigung dieser schwierigen Situation bedarf einer gemeinsamen Annahme der Krankheit und ihrer Folgen. Wird der Patient pflegebedürftig oder ist er im alltäglichen Leben durch eine bleibende Behinderung beeinträchtigt, müssen nicht selten auch die Angehörigen ihr Leben komplett umstellen. Die pflegerische Abhängigkeit des Partners oder Elternteils hat Einfluss auf die Gestaltung von Beziehungen. Um die Situation nach einem Schlaganfall konstruktiv gestalten zu können, ist der Erkrankte maßgeblich auf die Unterstützung durch seinen vertrauten Kreis angewiesen. Eine besondere Herausforderung für Angehörige stellt häufig die mit dem Schlaganfall einhergehende Veränderung der Persönlichkeit des Erkrankten dar. Verhaltensweisen, die vorher nicht erlebt wurden, treten plötzlich zu Tage. Auf die ganz neu entstandene Abhängigkeit, die für beide Seiten eine neue Situation darstellt, reagieren Schlaganfallpatienten nicht selten mit Traurigkeit, Abwehr und Aggressivität. Problematisch erweist sich häufig die mit dem Schlaganfall einhergehende Stimmungslabilität, so dass der Erkrankte an unpassenden Stellen weint oder lacht. An dieser Stelle ist es für die Angehörigen besonders wichtig, das Geschehen als Teil der Erkrankung zu verstehen und nicht als Reaktion auf ihr Handeln. Zwischen Fürsorge und Förderung der Eigenverantwortlichkeit Der Verlust von Eigenständigkeit ist eine große Belastung für die Patienten. Nicht selten geht damit auch das Gefühl eines verminderten Selbstwertgefühls einher. Umso mehr hat der Kranke das Bedürfnis, dass ihm sein Umfeld mit Respekt und Wertschätzung entgegen tritt. Es ist ratsam, ihn in Entscheidungen einzubeziehen, so dass im möglichen Umfang seine Eigenverantwortlichkeit gewahrt bleibt. Dies gilt in besonderem Maße für Erkrankte mit Schädigungen des Sprachvermögens, da sie sich aufgrund der Behinderung nur schwer und langsam artikulieren können. Die Therapie- und Reha-Maßnahmen alleine sind nicht ausreichend, um den Patienten in eine selbständige Lebensführung zurück zu führen, um vorhandene Defizite zu kompensieren oder neue Möglichkeiten zu erschließen. Für den Patienten sind die täglichen Alltagsangelegenheiten der Trainingsraum, den er benötigt. Dabei stellen die Angehörigen einen ganz wichtigen Bestandteil in der Neuorganisation seines Lebens dar: das richtige Dosieren von Übungen, Ermutigung, Ruhephasen, Erleben von Freude und Entspannung tragen maßgeblich dazu bei, dass der Kranke nicht den Mut verliert. Jeder kleine Fortschritt in der Alltagsbewältigung zählt und sollte gewertschätzt werden. Auch für Angehörige stellt die Begleitung einen wichtiger Lernprozess dar, in dem professionelle Hilfestellung gegeben werden sollte. Was kann im Umgang helfen? – Strahlen Sie Ruhe und Sicherheit aus. – Berührungen können Sicherheit und Vertrauen, Liebe und Fürsorge vermitteln. – Sprechen Sie dem Erkrankten Eigenverantwortlichkeit zu, anstatt ihn zu bemuttern und jeden Handschlag zu übernehmen. – Sprechen Sie mit den Therapeuten, was dem Patienten zugemutet werden kann und welche Gelegenheiten eine Überforderung darstellen.

Aphasie (Sprachstörungen) Nahezu ein Viertel aller Schlaganfallpatienten ist von einer Aphasie betroffen. Mit Aphasie werden Störungen im Bereich der Sprache, des Verstehens, des Schreibens und des Lesens bezeichnet. Eine Aphasie ist keine Denkstörung. Für die Behandlung der Aphasie stehen Sprachtherapeuten, sogenannte Logopäden, zur Verfügung. Mit der Behandlung sollte so früh wie möglich begonnen werden. Die psychische Belastung durch den Verlust der gewohnten Kommunikationsmöglichkeit ist besonders groß und muss bei der Therapie berücksichtigt werden. Wie kann ich als Angehöriger mit der Sprachstörung umgehen? – Der Patient benötigt viel Zeit und kleine Pausen zum Sprechen. Er kann den Gesprächsinhalt nicht so schnell verarbeiten. Deshalb sollten Sie ruhige und langsame Gespräche zu führen, die sich auf ein Thema konzentrieren. – Gerät der Patient ins Stocken und findet er die Worte nicht, können Sie ihm als Gesprächspartner ein Schlüsselwort anbieten. – Fehler und falsche Worte sollten nicht ständig verbessert werden. Dies kann den Patienten zusätzlich verunsichern. – Nehmen Sie dem Kranken nicht das Wort aus dem Mund oder antworten Sie nicht für ihn. – Nutzen Sie die nonverbale Kommunikation, um ihre Botschaft zu unterstützen. – Sprechen Sie mit dem Logopäden und führen Sie Übungen entsprechend seiner Anleitung durch. Orientierungsprobleme Ein Schlaganfall kann mit Störungen der Wahrnehmung, der Gedächtnisleistung und der Orientierung einhergehen. Die Beeinträchtigung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und behindert den Erkrankten beträchtlich in der Bewältigung seines Alltags. Welche Orientierungshilfen sind beispielsweise möglich? – Alltägliche Gegenstände sollten zum vereinfachten Auffinden immer an den gleichen Platz gestellt werden. – Informieren Sie den Betroffenen vor der Durchführung von Handlungen. – Setzen Sie Orientierungshilfen ein, um Unfälle zu verhindern, z.B. die Markierung von „heiß“ und „kalt“ an Gegenständen, Lebensmitteln und Getränken. – Legen Sie die Kleidung in der korrekten Reihenfolge des Anziehens hin. Dies erleichtert dem betroffenen Patienten das selbstständige Ankleiden. Ernährung bei Schluckstörung Die Schluckstörung behindert den Erkrankten in der Nahrungsaufnahme beträchtlich und birgt durch ein mögliches Verschlucken zudem die Gefahr einer Lungenentzündung in sich. Schluckstörungen haben vielfältige neurologische Ursachen. Sie können z. B. in einer mangelnden Wahrnehmung der Nahrung im Mund, in einer mangelnden Fähigkeit der kontrollierten Zungenbewegung oder in einer unzureichend zeitlich abgestimmten Abfolge der Schluckfunktionen ihre Ursache haben. Eine entscheidende Maßnahme ist die kontrollierte Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung. Logopäden befassen sich mit den vorhandenen Fähigkeiten und Schädigungen des Schluckaktes und üben das kontrollierte Schlucken mit den Betroffenen. Welche Unterstützung ist möglich? – Sprechen Sie mit dem Logopäden über die Art der Störung – Ggf. können Sie die Nahrung anpassen. Möglich ist eine Darreichung in Form pürierter Kost. Das Anbieten von Flüssigkeit ist sorgfältig zu prüfen. Flüssigkeit kann im Bedarfsfall mit speziellen Stärkeprodukten angedickt werden. – Körnige Speisen (Reis, Nüsse u. a.) oder Speisen mit unterschiedlicher Konsistenz (z. B. Eintopf) sind zu vermeiden. – Hinweise des Logopäden zur Sitzhaltung und Lagerung können dazu beitragen, dass die Schluckfunktionen entspannter ablaufen können und einem Verschlucken vorgebeugt wird. Ausscheidung Einige Patienten können nach einem Schlaganfall das Wasser nicht mehr halten. Diese Störung bezeichnet man als Harninkontinenz. Saugfähige Inkontinenzprodukte helfen, die unangenehmen Folgen des Einnässens auszugleichen. Diese können vom Arzt verordnet werden. Wie kann ein Blasentraining erfolgen? – Der Patient wird zunächst engmaschig zu individuell abgestimmten Zeiten zur Toilette begleitet, auch wenn er keinen Urindrang verspürt. – Die abgesprochenen Zeiten müssen täglich eingehalten werden. – Dem Patienten sollte für einen Toilettengang ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. – Wenn der Patient innerhalb des gewählten Intervalls kontinent ist, können die Abstände zwischen den Toilettengängen verlängert werden. Die verminderte Bewegung, sowie die Einnahme von Medikamenten begünstigen eine verminderte Stuhlausscheidung (Obstipation). Deshalb ist es wichtig, auf einen regelmäßigen Stuhlgang zu achten. Die fehlende Stuhlkontrolle kann auch eine Folge des Schlaganfalles sein. Das Einhalten früherer Ausscheidungsgewohnheiten kann ein kontrolliertes Abführen positiv beeinflussen. Lähmungen Lähmungserscheinungen können sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig tritt eine Lähmung einer Körperhälfte ein, die den Arm und das Bein betrifft. Zusammen mit der verminderten kontrollierten Bewegungsfähigkeit geht häufig eine verminderte Wahrnehmung der Körperhälfte einher. Vor diesem Hintergrund neigen Erkrankte dazu, die gelähmte Seite zu vernachlässigen, und die gesunde Seite bevorzugt einzusetzen. Dies begünstigt die Ausbildung von Spastiken (Muskelspannung). Wie kann die Wahrnehmung der betroffenen Seite gefördert werden? – Sprechen Sie mit den behandelnden Therapeuten und lassen Sie sich in Übungen einbeziehen. – Ziel ist, das Zusammenspiel der betroffenen und gesunden Körperhälfte neu zu trainieren. – Sprechen Sie den Patienten immer von der gelähmten Körperhälfte an und führen Sie die tägliche Pflege und das Bewegungstraining immer von der gelähmten Seite aus. – Machen Sie den Erkrankten darauf aufmerksam, seine betroffene Körperhälfte in alle Bewegungsabläufe einzubeziehen. – Unterstützen Sie im Sitzen die gelähmte Seite mit einem Kissen, achten Sie besonders auf die sichere Lagerung des Armes. Einem Herunterhängen des Armes sollte vorgebeugt werden, da dies schmerzhafte Verletzungen an der Schulter begünstigt. – Beim Gehen sollte der Schlaganfall-Patient an der gelähmten Seite begleitet werden. – Platzieren Sie Alltagsgegenstände neu: Stellen Sie wichtige Gegenstände immer auf die Seite der gelähmten Körperhälfte hin. Der Patient sollte versuchen, die betroffene Körperhälfte aktiv einzusetzen.

Risikofaktoren sind sowohl im Lebenswandel (z.B. Rauchen, Übergewicht, berufliche Belastungen oder Bewegungsmangel) als auch in zugrunde liegenden Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Diabetes, Herzrhythmusstörungen) begründet. Das Schlaganfallrisiko ist umso größer, je mehr Risikofaktoren vorhanden sind. Eine Minimierung von Risikofaktoren ist auch dann wichtig, wenn ein Schlaganfall bereits eingetreten ist. Bluthochdruck Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines Schlaganfalls. Ist der Blutdruck zu hoch, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein hoher Blutdruck begünstigt Schädigungen der Gefäßwand und damit die Entwicklung von Arteriosklerosen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zur Beurteilung des Blutdrucks folgende Werte festgelegt: Normaler Blutdruck: unter 135 / 85 mm HG Bluthochdruck: über 140 / 90 mm HG Der Blutdruck passt sich der aktuellen Befindlichkeit und körperlichen Aktivitäten an. Diese Schwankungen des Blutdruckes sind normal und nicht krankhaft. Von einem Hochdruck spricht man nur, wenn der Wert über einen längeren Zeitraum erhöht ist. Was kann ich als Angehöriger tun? Unterstützen Sie die vom Arzt angeordnete Therapie und führen Sie regelmäßige Blutdruckmessungen durch. Alkohol Alkoholgenuss wirkt, in größeren Mengen aufgenommen, gesundheitsschädlich. Ein mäßiger Alkoholkonsum, beispielsweise ein Glas Wein pro Tag, ist nach heutigem Kenntnisstand nicht gesundheitsschädigend. Auf Alkohol sollte jedoch weitgehend verzichtet werden, wenn Zusatzerkrankungen vorliegen, wie z. B. Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte oder Bluthochdruck. Arteriosklerose Arteriosklerose stellt die Verengung der Blutgefäße durch Ablagerungen dar. Dies führt zu einer verminderten Durchblutung von Gefäßen und inneren Organen. Darüber hinaus kann es zum Verschluss der hirnversorgenden Blutgefäße mit der möglichen Folge eines Schlaganfalles kommen. Eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung ist eine wichtige Vorbeugung der Arteriosklerose. Bewegungsmangel Regelmäßige sportliche Aktivität senkt den Blutdruck und verbessert den Stoffwechsel. Die richtige Sportart und das richtige Ausmaß sportlicher Betätigung sind abhängig von der körperlichen Fitness, der körperlichen Konstitution und dem Alter. Sie sollten hier den Rat Ihres Arztes suchen. Erhöhte Cholesterinwerte Erhöhte Cholesterinwerte erhöhen das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Blutfette lagern sich an den Innenwänden der Blutgefäße ab, so dass sich diese verengen. Nicht alle Arten von Cholesterin sind schädigend. Blutentnahmen helfen, dies zu prüfen. Diabetes Erhöhte Zuckerwerte führen zur Schädigung der Blutgefäße. Die Früherkennung und konsequente Behandlung erhöhter Zuckerwerte stellen eine wichtige vorbeugende Maßnahme dar. Herzerkrankungen Herzrhythmusstörungen erhöhen maßgeblich das Risiko für einen Schlaganfall. Ursache einer Herzrhythmusstörung ist häufig eine Verkalkung der Herzkranzgefäße. Dadurch wird die Entstehung von Blutgerinnseln im Herzen begünstigt, von denen sich Teile lösen und mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen können. Auch hier bedarf es einer ärztlichen Therapie. Homocystein Homocystein schädigt in erhöhter Konzentration die Blutgefäße. Verschiedene Vitamine (B6, B12 und Folsäure) machen Homocystein unschädlich. Somit stellt eine vitaminreiche Nahrung eine wichtige vorbeugende Maßnahme dar. Rauchen Die schädigenden Wirkungen beruhen auf der Förderung des Bluthochdrucks, einer zunehmenden Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) und der Verengung kleiner Blutgefäße. Dies verschlechtert die Durchblutung des Gehirns. Krankenkassen geben Unterstützung zur Raucherentwöhnung. Übergewicht Übergewicht begünstigt das Auftreten anderer Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin. Die Reduktion des Körpergewichtes wirkt somit maßgeblich vorbeugend.

Therapieformen

Im Mittelpunkt der ergotherapeutischen Behandlung stehen das Wiedererlangen sowie das Erhalten der Handlungsfähigkeit, der größtmöglichen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Hilfe bzw. Hilfsmitteln im persönlichen Alltag, um die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu sichern oder zu erhöhen. Ergotherapie beruht auf medizinischer und sozialwissenschaftlicher Grundlage und ist ein ärztlich zu verordnendes Heilmittel. Sie kommt bei Menschen jeden Alters mit Bewegungsstörungen, Wahrnehmungs-Funktionsstörungen, Hirnleistungsstörungen und/oder psychischen Störungen zum Einsatz. Ergotherapie hat zum Ziel, Menschen dabei zu helfen, eine durch Krankheit, Verletzung oder Behinderung verlorengegangene bzw. noch nicht vorhandene Handlungsfähigkeit im Alltagsleben wieder zu erreichen. In der Ergotherapie geht es nicht um mechanische Wiederherstellung körperlicher, geistiger oder psychischer Funktionen, sondern darum, dass der Mensch die verschiedenen Rollen und die damit verbundenen Aufgaben in seinem Leben wieder bestmöglich einnehmen kann. Das Erreichen von größtmöglicher Selbständigkeit und Unabhängigkeit im Alltags- und/oder Berufsleben ist das Ziel. In der Ergotherapie kommen, je nach Indikation und Betroffenheit der Bewohner, unterschiedliche Behandlungsansätze bzw. -konzepte zur Anwendung. – Das Bobath-Konzept unterstützt die Hemmung pathologischer Bewegungsmuster und Anbahnung „normaler“, physiologischer Bewegungen. Die konsequente Förderung und Stimulation des Bewohners im Rahmen des Bobath-Konzeptes wird in unserem Haus durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pflegepersonal, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Ärzten gewährleistet. Die aktivierende Pflege wird z.B. durch das Wasch- und Anziehtraining ergänzt, sobald der Patient in der Lage ist, unter Anleitung eines Ergotherapeuten Handlungsschritte selbstständig umzusetzen und eine aktive sensorische Stimulation der betroffenen Körperhälfte durchführen kann. – Die Spiegeltherapie wird nach Schlaganfällen zur Förderung von Arm- und Handfunktionen sowie zur Behandlung von Sensibilitätsstörungen und peripheren Schmerzzuständen eingesetzt. Durch wiederholte Betrachtung von Bewegungen des gesunden Armes im Spiegel werden aufgrund spezieller Verschaltungen im Gehirn (Spiegelneurone) die betroffenen Hirnareale aktiviert und können so z. B. das Bewegungsausmaß des gelähmten Armes verbessern. Auch Hemianopsien (Halbseitenblindheit) oder Aufmerksamkeitsstörungen, wie der Neglect (Vernachlässigung einer Hälfte der Umgebung bzw. des eigenen Körpers), können mit der Spiegeltherapie nachgewiesen erfolgreich behandelt werden. – PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) ist eine Methode zur Normalisierung der Muskelspannung, d.h. Spastizität wird herabgesetzt und gelähmte Muskeln bzw. Muskelketten aktiviert. PNF fördert u. a. auch die motorische Kontrolle, dynamische Stabilität, Kraft und Ausdauer sowie Mobilität, Geschicklichkeit und Koordination. Weitere Behandlungsansätze, die in der Ergotherapie mit Schlaganfall-Bewohnern zur Anwendung kommen, sind: – Affolter-Konzept – Sensorische Integration – Basale Stimulation – Kognitiv Therapeutische Übungen nach Dr. Carlo Perfetti – Johnstone-Konzept Aufgaben der Ergotherapie – Übungsbehandlung zur Verbesserung der Grob- und Feinmotorik – Übungsbehandlung zur Normalisierung des Muskeltonus, Erlernen physiologischer Bewegungsabläufe – Bei Bedarf Kompensationstraining – Training der Arm- und Handfunktion, z.B. Schreibtraining – Mund- und Esstraining – Schulung der Wahrnehmung, z.B. Sensibilitätstraining – Gedächtnistraining – Training zur Alltagsbewältigung – Haushaltstraining – Übungen zum Erwerb von Bewältigungsstrategien bei psychischen Erkrankungen – u.a. Weitere Informationen zur Ergotherapie und zu ergotherapeutischen Praxen bietet Ihnen der: Deutsche Verband der Ergotherapeuten e.V. Postfach 2208 76303 Karlsbad Tel.: 0 72 48/91 81-0 Fax: 0 72 48/91 81-71 E-Mail: Internet: www.dve.info

 

Die Kombination von motorischen, sensorischen und neuropsychologischen Einschränkungen erfordert eine speziell auf den einzelnen Bewohner ausgerichtete ganzheitliche Therapie, die sich nach den alltäglichen Bedürfnissen richtet. Je früher die Physiotherapie einsetzt, desto höher sind die Chancen, dass sich z. B. eine Halbseitenlähmung bessert, bzw. zurückbildet. Dem Bewohner muss bewusst werden, dass die betroffene Körperseite noch vorhanden ist. Daher muss diese Seite im gesamten Alltag eingebunden und gefordert werden. Behandlungsansätze und Konzepte – Bobath-Konzept Erläuterung, s.o. – PNF-Therapie: der Physiotherapeut macht es sich zunutze, dass der Bewegungsapparat auf bestimmte Reize reagiert. Bewegungen, die bei den betroffenen Patienten gestört sind, werden durch gezielte Berührungen, visuelle und akustische Informationen, Dehnung oder Stauchung ausgelöst und eingeübt.

Transferschulung

Einige Bewohner müssen nicht nur das Gehen neu erlernen, sondern auch das Umsetzen. Trainiert wird das Drehen und Aufstehen aus dem Bett, von der Rückenlage in den Sitz und die Bewegung vom Sitz in den Stand, sowie der Lagewechsel vom Rollstuhl zum Stuhl oder auf das WC, vom Rollstuhl in den Stand oder vom Rollstuhl ins Auto. Das Erlernen von Strategien, die gemeinsam mit den Therapeuten erarbeitet und gefestigt werden, steigert das Selbstwertgefühl und sichert die Selbstständigkeit des Bewohners auch in fremder Umgebung. – Manuelle Lymphdrainage (MLD) ist eine Therapieform der physikalischen Anwendung. Sie dient unter anderem als Ödem- und Entstauungstherapie und Mobilisation geschwollener Körperregionen wie Körperstamm und Extremitäten (Arme und Beine).

Manuelle Therapien kommen bei schmerzhaften Bewegungseinschränkungen der Gelenke und Wirbelsäule zur Anwendung. Durch Strategien wie Dehnung und Stabilisierung werden geschädigte Gelenke entlastet und Bewegung erleichtert. – Schmerzlinderung durch Entspannungstherapien durch klassische Massagen, die entspannend aber auch aktivierend wirken können (z.B. nach einer Gesichtslähmung), Wärmetherapie (Fangopackungen)/Rotlicht und Elektrotherapie/Ultraschall.

Optimierung des physiologischen Ganges (Gangschule) mit Übungen an der Sprossenwand (sicherer Stand, Gewichtsverlagerung), Einbeinstand als Voraussetzung zum Gang, Gangschule am Gehbarren u.a. mit Einbau von Hindernissen, Gangschule an Stützen, Vierpunkt-Stock oder Rollator auf ebenem, später unebenem/variablem Untergrund und alltagsgetreu in unserer weitläufigen Parkanlage, Üben des Treppensteigens mit und ohne Hilfsmittel. – Krankengymnastik am Gerät als Kräftigungstraining in unseren großzügig eingerichteten Fitnessräumen, ausgestattet mit hochwertigen Geräten zum gezielten Muskelaufbautraining. Ein Trainingsplan wird vom Therapeuten individuell für die Patienten zusammengestellt. Während des Trainings werden die Bewohner professionell betreut. Die Trainingsdauer beträgt eine Stunde.

Galileo-Training zur Aktivierung des kleinen Gelenkrahmens und der tief liegenden Muskeln, Kräftigung und Gleichgewichtsschulung Aufgaben in der Physiotherapie

  • Lagerung
  • Atemtherapie
  • Assistierte und aktive Bewegungsübungen
  • Bewegungsanbahnung
  • Tonusnormalisierung
  • Sensibilitätsschulung (Körpergefühl)
  • Gleichgewichtsschulung
  • Stabiles Sitzen, Aufstehen, Stehen, Transfer, Gehen, Treppensteigen
  • Rollstuhltraining

Weitere Informationen zur Physiotherapie bieten Ihnen folgende Berufsverbände an: 

Bundesverband selbständiger PhysiotherapeutInnen IFK e.V.

Königsallee 178 a

44799 Bochum

Tel.: 02 34/9 77 45-0

Fax: 02 34/9 77 45-45 E-Mail:

Internet: www.ifk.de

Logopädie ist der eingeführte Begriff für die Stimmheilkunde. Heute bezeichnet die Logopädie die noch junge medizinisch-therapeutische Fachdisziplin, die den durch eine Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder Hörbeeinträchtigung in seiner zwischenmenschlichen Kommunikationsfähigkeit eingeschränkten Menschen zum Gegenstand hat. Schlaganfall-Patienten haben oft Sprachstörungen, die durch Sprachtherapeuten behandelt werden können. Der Arzt verordnet eine Sprachtherapie. Kostenträger für die Sprachtherapie sind in der Regel die Krankenkassen. Weitere Informationen erteilt der Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten und der Bundesverband für Logopädie: Deutscher Bundesverband der akademischen Sprachtherapeuten e.V. Goethestr. 16 47441 Moers Tel.: 0 28 41/98 89-19 Fax: 0 28 41/98 89-14 E-Mail: Internet: www.dbs-ev.de Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. Augustinusstr. 11a 50226 Frechen Tel.: 0 22 34/69 11 53 Fax: 0 22 34/96 51 10 E-Mail: Internet: www.dbl-ev.de

 
Viele Dinge müssen nach einem Schlaganfall neu erlernt werden. Das Rehazentrum im "Haus der Ruhe" hilft Betroffenen dabei, wieder ins Leben zurück zu finden.

Pflegemittel

Wohnfeldanpassung

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln (§ 40 Abs. 1 PflegeVG). Pflegehilfsmittel sollen – Die Pflege erleichtern – Beschwerden der/des Pflegebedürftigen lindern – dem Pflegebedürftigen eine selbständigere Lebensführung ermöglichen. Pflegehilfsmittel werden nur im Falle von Pflegebedürftigkeit bezahlt. Der Antrag für die Kostenübernahme eines Pflegehilfsmittels erfolgt mittels einer ärztlichen Verordnung bei der zuständigen Pflegekasse. Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel, z. B. Inkontinenzprodukte, werden von den Pflegekassen monatlich bis zu einem Betrag von 31.- € finanziert. Technische Pflegehilfsmittel, z. B. Rollstühle, werden leihweise von den Kassen zur Verfügung gestellt. Pflegebedürftige müssen zu den Kosten der technischen Hilfsmittel eine Zuzahlung von 10% zuzahlen, höchstens jedoch 25.- € je Pflegehilfsmittel. Eine Zuzahlung für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel gibt es nicht. Pflegebedürftige können ganz oder teilweise von der Pflicht zu Zuzahlungen befreit werden. Anträge halten die Pflegekassen vor. Das Pflegehilfsmittelverzeichnis vom 14. März 1995 umfasst folgende von der Pflegekasse zu vergütende Pflegehilfsmittel: 

  • Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege (z. B. Pflegebetten) 
  • Pflegehilfsmittel zur Körperpflege/Hygiene (z. B. Waschsysteme oder Produkte zur Hygiene im Bett)
  • Pflegehilfsmittel zur selbständigen Lebensführung/Mobilität (z.B. Hausnotrufsysteme)
  • Pflegehilfsmittel zur Linderung von Beschwerden (z. B. Lagerungsrollen)
  • Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch, Schutzbekleidung oder Desinfektionsmittel).

Apotheken

In Apotheken erhalten Sie nicht nur Arzneimittel, sondern auch Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Apotheken übernehmen auch das Genehmigungsverfahren für Hilfsmittel. Darüber hinaus können Sie in Apotheken regelmäßig Ihren Blutdruck messen lassen.

Sanitätshäuser

Die Sanitätshäuser beraten über Hilfsmittel und besorgen diese bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung. Im Falle der Verordnung von technischen Hilfsmitteln sind die Sanitätshäuser auch für die regelmäßige Wartung zuständig.

Wohnen / Wohnraumanpassung

Die Gestaltung des Wohnortes spielt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Alltags. Es wird unterschieden zwischen dem Wohnen zu Hause, Betreutem Wohnen, Wohnheimen, sowie Alten- und Pflegeheimen. Nach dem Sozialgesetzbuch IX können Leistungen – zur Beschaffung von behindertengerechtem Wohnraum im Sinne § 2 Abs. 2 des zweiten Wohnungsbaugesetzes – zur Anpassung von Wohnraum und seiner Ausstattung an die besonderen behinderungsbedingten Bedürfnisse und zum Umzug in eine behindertengerechte oder erheblich verkehrsgünstigere zum Arbeitsplatz gelegene Wohnung gewährt werden, wenn dadurch ihre Eingliederung in Arbeit und Beruf ermöglicht, erleichtert oder gesichert werden kann. Die Krankenkassen erteilen Auskunft zu den Leistungen: als Zuschüsse, Zinszuschüsse oder Darlehen. Höhe, Tilgung und Verzinsung bestimmen sich nach den Umständen des Einzelfalls. Schwerbehinderten werden in besonderen Härtefällen zur Ausgestaltung und Ausrüstung des bestehenden Wohnraums und zur Schaffung eines neuen Wohnraums Kostenbeiträge von bis zu 25.000 € gewährt.

Falls Sie einen behindertengerechten Neu- oder Umbau planen, sollten Sie den Anspruch auf eine Förderung prüfen. Je nach Ihrer persönlichen Situation zahlen unter Umständen verschiedene Kostenträger Zuschüsse. Wenn Sie zur Miete wohnen, muss der Vermieter der Umbaumaßnahme zustimmen. Erhöhte staatliche Wohnungsbaumittel erhalten Sie, wenn bei Ihnen ein Grad der Behinderung von mindestens 80% vorliegt. Gering zu verzinsende Darlehen von bis zu 15.350.- € sind möglich. Eine Förderung ist nicht vorgesehen, wenn die Aufwendungen sich auf weniger als 1.535.- € belaufen. Dabei dürfen Sie mit den Angehörigen Ihres Haushaltes bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Zuschüsse durch die Pflegeversicherung Im Rahmen der Pflegeversicherung können die Pflegekassen Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung Ihres Haushaltes erbringen. Hierzu zählen Aufwendungen: – die häusliche Pflege erst ermöglichen – die häusliche Pflege erheblich erleichtern helfen – die eine möglichst selbständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederherstellen. Gelder können für Möglichkeiten zur Verbesserung des Wohnumfeldes (z. B. Verbreiterung der Türen, Anbringen einer Zufahrtsrampe, Schaffung von behindertengerechten Sanitäranlagen) verfügbar gemacht werden. Eine Bezuschussung ist bis zu 2.557.- € pro Maßnahme möglich. Ihr Eigenanteil berechnet sich durch die Kosten der Maßnahme und Ihrem Einkommen. Diese Bezuschussung wird auch für einen Umzug gezahlt, wenn ein Umbau der Wohnung zu aufwändig sein sollte. Bezuschussung aus Sozialhilfemitteln Für eine behindertengerechte Umgestaltung von Wohnungen können, soweit hierfür bestimmte Voraussetzungen vorliegen, bei den Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen (örtliche Sozialämter) Zuschüsse im Rahmen der Eingliederungshilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG) beantragt werden. Danach haben alle körperlich, geistig oder seelisch wesentlich Behinderten einen Rechtsanspruch auf Eingliederungshilfe, sofern es sich nicht um eine vorübergehende Behinderung handelt. Auch andere Kostenträger, wie Unfall- oder Rentenversicherung, die Kriegsopferfürsorge, das Arbeitsamt, die örtliche Fürsorgestelle oder der örtliche Sozialhilfeträger können für eine Kostenbeteiligung ebenfalls in Betracht kommen.