Lehrgang Validations-AnwenderEin Jahr lang haben 14 unserer Mitarbeiter eine Fortbildung in Validation absolviert, einer Methode zur Betreuung von Menschen mit der Diagnose Demenz. In den vergangenen Tagen stand das Gelernte auf dem Prüfstand: Einen zweistündigen schriftlichen Test und einen praktischen Test mittels Videoaufzeichnung mussten die Mitarbeiter bestehen. Jetzt sind sie offizielle Validations-Anwender.

Eva Küpers, die bundesweit Einrichtungen zum Thema Validation berät, hat den Lehrgang geleitet. Sie erklärt die Bedeutung der Diagnose Demenz: „Körperliche Beschwerden nehmen mit dem Alter zu. Viele Senioren können nicht mehr so, wie sie wollen. Sie werden unglücklich. Das Zusammenwirken körperlicher, psychischer und sozialer Verluste kann dann zur Desorientiertheit dieser Menschen führen.“

Vier Phasen der Erkrankung werden unterschieden: Das Unglücklichsein äußert sich zunächst in immer stärker werdenden, teilweise boshaften Bemerkungen. Die Menschen wünschen sich dann in vergangene Zeiten zurück, steigern sich in Erinnerungen hinein und verlieren das Zeitgefühl. Von außen werden sie als verwirrte, orientierungslose Personen wahrgenommen. Die oft folgende Ausgrenzung führt zu sozialem Rückzug. Diese Desorientierten hören auf, sich verbal zu verständigen – ihnen stehen keine Worte mehr zur Verfügung. Sie drücken ihre Gefühle nur noch durch Bewegungen aus, bis irgendwann die vollständige Immobilität eintritt.

Das Haus der Ruhe hat in der Betreuung demenziell Erkrankter viel Erfahrung gesammelt. Jeder Mitarbeiter kennt die Grundlagen der Validation. Anett zur Nieden, zuständig für die Qualitätssicherung in unserem Haus, sieht in der weiterführenden Anwendung der Methode steigenden Bedarf: „Der Anteil älterer Menschen wächst seit Jahren kontinuierlich. Damit nimmt auch die Anzahl der Menschen mit einer demenziellen Erkrankung zu.“ Derzeit sind knapp 20 Prozent der Deutschen älter als 65 Jahre. Für 2050 prognostiziert das Statistische Bundesamt, dass mehr als jeder Dritte zum Kreis der Senioren zählt. Rund zehn Prozent leiden an Demenz, die ausgelöst werden kann durch eine Veränderung im Gehirn oder beispielsweise durch schwere Schicksalsschläge wie der Verlust eines Kindes oder des Lebenspartners. „Diese Umstände erfordern geeignete Methoden, um mit diesen Menschen umzugehen, sie am täglichen Leben teilhaben zu lassen und ihnen die notwendige Wertschätzung zurück zu geben“, so die Qualitätsbeauftragte.

Bei der Validation geht es nicht darum, den Erkrankten wieder in die „Normalität“ zurück zu holen. Validation bedeutet nach der Urheberin Naomi Feil, auf den Menschen einzugehen, die Ursachen für seine Gefühle und Äußerungen zu ergründen und seine Persönlichkeit zu verstehen. Es geht darum, dem Menschen dort zu begegnen, wo er steht. Eva Küpers verdeutlicht es an einem Beispiel: „Wenn eine Bewohnerin ganz aufgeregt nach ihrer Mutter sucht, ist es gar nicht hilfreich ihr zu erklären, dass die Mutter längst verstorben ist. Statt dessen greift man die Situation auf und fragt nach, wie die Mutter zum Beispiel aussieht und welche ihrer Eigenschaften die Bewohnerin besonders vermisst.“ Auf diese Weise lernt der Betreuer die Sprache des Desorientierten und kann sich besser in dessen Welt hinein versetzen. „Das erhöht das Selbstwertgefühl und Wohlbefinden enorm“, weiß die Validationstrainerin. „Der Mensch fühlt sich nicht ausgegrenzt, sondern verstanden.“

Von den Mitarbeitern erfordert die Behandlungsmethode vollen Einsatz. „Sie müssen genau zuhören und intensiv auf die Bewohner eingehen. Um sich in deren Welt hinein versetzen zu können, ist es auch wichtig, die Lebensgeschichte der Menschen zu kennen.“ Anett zur Nieden ist stolz auf die Prüflinge: „Sie haben sehr hart gearbeitet. Ich denke sie freuen sich darauf, das Wissen nun in die tägliche Arbeit zu integrieren.“

Die Zertifikate, die den Mitarbeitern die Ausbildung zum Validations-Anwender bescheinigen, wurden feierlich im Haus der Ruhe übergeben. Die Validation umfasst einen großen Teil des jährlichen Schulungsprogramms in dem Alten- und Pflegeheim. Ein zweiter Lehrgang ist bereits in Planung. Darüber hinaus möchte das Haus künftig einen Kurs anbieten, der Interessierten und pflegenden Angehörigen die Grundlagen der Validation vermittelt.